DIE ERSTE EIGENE VERNISSAGE?

Junge Künstler träumen oft von der ersten eigenen Vernissage, vielen Besuchern und noch mehr Verkäufen. Gut besuchte Events, Dauer- Präsenz in Social Media und eine ausgefeilte Marketingstrategie sind unablässig. Dennoch ist der Weg dahin grade für Quereinsteiger schwierig und der Erfolg hängt von vielen Faktoren ab. Die wichtigsten Infos, vermeidbare Fallstricke und Ausstellungsräume, die unkompliziert junge Künstler annehmen, findet Ihr in diesem Artikel.

 

  • Ausschreibungen für Reichweite

  • Was will der Künstler eigentlich sagen…?

  • Die Auswahl des Location

  • Zur Organisation

  • Werbung - mehr ist mehr!

  • Locations für den Start

Konkrete Abläufe im Kunstbusiness und ein dazugehöriges Netzwerk bauen Künstler während des Studiums auf. Die meisten Galerien nehmen nur Absolventen der Studiengänge oder bereits etablierte Künstler. Das alleine ist bekanntermaßen natürlich noch lange kein Garant für Erfolg.

 

Zu wissen, wie man es ohne Studium angehen könnte und wodrauf man achten muss, macht die Sache für Newcomer aber schon mal transparenter. Vorab sei gesagt, dass hier nur einige Punkte angeschnitten werden. Grundsätzlich haben es Menschen, die nicht gerne in der Öffentlichkeit stehen und sich nicht gut selbstvermarkten, schwer. Wer im Stillen malt und hofft entdeckt zu werden, kann lange warten und deshalb gilt es seine Arbeiten zu publizieren.

 

Ausschreibungen für Reichweite

Ein Weg zur Bekanntheit sind Ausschreibungen. Die Teilnahme an Kunstwettbewerben strukturiert die eigene Arbeit, da sie meist einem Thema unterliegt. Solche Gelegenheiten sind in Zeiten, in denen Werke digital eingeschickt werden, zahlreich und die Anforderungen an die Teilnehmer sehr unterschiedlich. Die Beurteilung der Arbeiten und die Preisvergabe erfolgen von der Öffentlichkeit oder einer Jury.

 

Ausschreibungen sind eine geeignete Möglichkeit den künstlerischen Lebenslauf zu erweitern. Wichtig ist hierbei, wer ausschreibt. Eine renommierte, internationale Stiftung ist natürlich besser als der örtliche Malverein. Achtet darauf, an wen sich die Ausschreibung richtet. Viele Wettbewerbe sprechen ehemaligen Kunststudenten an und sollen den Einstieg in die Zeit nach dem Studium erleichtern. Da darf der Abschluss nicht lange her oder ein bestimmtes Alter nicht überschritten sein.

 

Google hilft auf der Suche nach Ausschreibungen für Newcomer, denn sie sind oft regional begrenzt oder finden nur einmalig statt. Zwei, die jährlich veranstaltet werden, sind der ‚MB21 – Der Deutsche Multimediapreis Kreativwettbewerb‘ (für Teilnehmer bis 25 Jahre) oder der ‚OfG Design Award‘, für Fotokünstler. Auf folgenden Seiten findet Ihr eine Auflistung der Ausschreibungen nach Ort und Zeit sortiert:

 

Page-online.de

BBK-Bundesverband.de

Kunst-starter.de

 

Was will der Künstler eigentlich sagen…?

Wer ohne Ausschreibung erfolgreich ausstellen möchte, betrachte vorher die Thematik seiner Arbeit. Ist die Botschaft klar erkennbar? Oder fällt es schwer, ein übergeordnetes Thema auszumachen? Wer sich mit seinen Werken intensiv auseinandersetzt und sich dadurch weiter entwickelt, blickt bald auf ein großes Portfolio, welches vor der ersten Ausstellung vorhanden sein sollte. In Zahlen ist dies schwer zu definieren, da manche Ausstellungen aus über 300 Exponaten bestehen, bei entsprechender Größe des Ausstellungsortes.

 

Die Auswahl der Location

Galerien, die nicht etablierte Künstler nehmen und dabei günstig/ umsonst sind, sind klar in der Minderheit und regulär schnell ausgebucht. Wer hier einen Platz bekommt, hat eine Gelegenheit, erstmals öffentlich in Erscheinung zu treten und zu verkaufen. Um nicht in der verbleibenden ‚letzten Ecke‘ auszustellen, gilt es rechtzeitig zu buchen. Eine Liste solcher Locations gibt’s am Ende des Artikels.

 

Ein wichtiger Tipp: Seit ruhig kreativ auf der Suche nach alternativen Ausstellungsorten! Arztpraxen, Restaurants, (Einkaufs-) Zentren und Firmen haben viel freie, gut frequentierte Fläche, die sie gerne vermieten, um ihrer Kundschaft Abwechslung zu bieten. Steht der Ort des Geschehens fest, entscheidet sich der Rest: Anzahl der auszustellenden Stücke und die Art der Präsentation. Wichtig ist, dass die Werke in einer stimmigen Kulisse präsentiert werden. Möglicherweise bieten sich Vitrinen und zusätzliche Beleuchtung an. Von Dekoration, welche nichts mit der eigentlichen Ausstellung zu tun hat, ist wegen Verwechslungsgefahr abzusehen.

 

Sollte der Ausstellungsort draußen sein, an einer Häuserfassade oder dem Gehweg, unbedingt die notwendigen Genehmigungen der zuständigen Behörden einholen. Sonst kostet die Ausstellung mehr, als sie einbringt und wird vorzeitig beendet.

 

Zur Organisation

Wenn die Location steht, folgt die Auswahl des Ausstellungszeitraumes. Hier solltet ihr Wochenenden immer bevorzugt belegen, da an diesen eine höhere Besucheranzahl erwartet werden kann (achtet drauf, dass kein Fußballspiel etc. in der Zeit stattfindet). Organisation beim Auf- und Abbau, sowie dem Transport sind die Grundlage für einen professionellen Ablauf. Wer sich 10 Minuten vor Ausstellungsbeginn ein Großraumtaxi rufen muss und keines kriegt, wird ins Schwitzen kommen.

 

Eine weitere wichtige Überlegung ist der finanzielle Aspekt und die Wirtschaftlichkeit der Unternehmung. Es ist sinnvoll, verschiedene Preisspannen anzubieten, kleinere Werke zu erschwinglichen Preisen zu verkaufen, um überhaupt Umsätze zu erzielen. Ein Thema, mit dem sich Künstler, die von ihrer Arbeit leben möchten, realistisch auseinandersetzen müssen. Kosten für Marketing, Flyer etc. dürfen nicht vergessen werden.

 

Es ist sinnvoll, einen Zeitraum von mehreren Monaten Vorlaufzeit einzuplanen, um sich PR- technisch optimal vorzubereiten. Fanden schon vorher Ausstellungen statt, empfiehlt es sich, die Zeit zu nutzen um neue Werke zu schaffen und interessant zu bleiben. Viele Künstler arbeiten explizit auf Ausstellungen hin, andere raten davon ab, da dies einen Druck erzeuge, der Kunstwerke nicht auf ‚natürlichem Wege‘ entstehen lässt. Welche Vorgehensweise bevorzugt wird, muss jeder für sich selbst entscheiden.

 

Werbung - mehr ist mehr!

 

Mindestens so viel Arbeit wie die Werke an sich, stellt die Werbung dar. Fangen wir mit den traditionellen Marketingmaßnahmen an: Visitenkarten und Flyer dürfen nicht fehlen und müssen umgehend verbreitet werden. Die Prospekte vermitteln ein Eindruck der Arbeiten bzw. der Ausstellung, qualitative Fotos sind hier entscheidend. Solltest ihr Euch persönlich bei Ausstellungsorten bewerben, braucht ihr die ohnehin dringend für eine Mappe.

Bei großen und wichtigen Ausstellungen lohnt sich eine Pressemitteilung. Infomaterial kann auf Events wie Kunstmessen und Kunstakademien verteilt werden, wo sich das passende Publikum tummelt. Ein weiterer Punkt sind die mittlerweile unverzichtbaren Social Media Kanäle. Accounts auf allen Kanälen und tägliche neue Posts gehören zum Pflichtprogramm für Reichweite.

Um auf regionaler Ebene Werbung für eine Ausstellung zu machen, gilt es sich auf die Menschen vor Ort zu konzentrieren: Facebook und Twitter bieten verschiedene Gruppen an, in denen Werbung dieser Art gepostet werden darf.

Auch hier gilt es kreativ zu sein: Beiträge über die nächste exklusive Vernissage finden wahrscheinlich in der Gruppe des regionalen Golfclubs zahlungskräftiges Publikum.

 

Sich in der Szene zu connecten gilt übrigens auch für Ausstellungen, auf denen viele verschiedene Künstler vor Ort sind. Netzwerkt ruhig, vielleicht hat jemand einen guten Tip für das nächste Event, oder es kommt ein anderer interessanter Kontakt zu Galeristen, Presse etc. zustande. Der Künstler vermarktet vor allem sich selbst.

 

Online verkaufen

 

Die Möglichkeiten, seine Kunst online zu verkaufen, sind in den letzten Jahren förmlich explodiert. Verschiedene Plattformen bieten jedem die Möglichkeit, seine Werke online zu verkaufen. Hier eine kleine Auswahl, bitte beachte die unterschiedlichen Konditionen für Händler:

 

Jakira.de

Argato.de

Artfulart.de

Amazon.de/handmadeprodukte

 

 

Bei Jakira, sowie Argato gibt's übrigens Einblicke in die Statistiken jedes Artists: Eintrittsdatum und Anzahl der seitdem verkauften Werke lassen erahnen, wie schwierig es ist, sich mit gewissen Stilrichtungen zu etablieren. Am besten schneiden die Künstler ab, die schon eine Reichweite haben.

 

Locations für den Start

Hier folgen noch einige Locations, welche unkompliziert eine Ausstellung ermöglichen UND wenig bis gar nicht kostenintensiv sind:

 

Unperfekthaus

Friedrich-Ebert-Str. 18

45127 Essen-City

Tel.: 0201 84735-0 oder 0201-470916-0

 

Kulturleben beim Hefter

Kirchplatz 3

83224 Grassau

Telefon: +49 (8641) 6979660

 

 

Veranstaltung GUERILLIA FLASHART

Kunstmüllerei

Witzelstraße 7

40225 Düsseldorf-Bilk

Tel: 0211 3015 3935

 

Bis Ende des Jahres noch die

ART FABRIK

Schlüterstraße 10

40699 Erkrath

Infos unter www.neanderart.de

Kontakt: Ralf Buchholz - bookwoodart(at)gmx.de

 

 

Sollte Geld keine Rolle spielen, werdet ihr auf der Seite brickspaces.de mit teilweise sehr hochwertigen Locations fündig. Hier lohnt sich ein Zusammenschluss mit mehreren Künstlern, um die Kosten zu splitten.

 

Ich hoffe, der Artikel hilft Euch weiter und zu neuen Taten inspirieren. Solltet Ihr noch Fragen haben oder zusätzliche Tipps, könnt ihr das gerne in die Kommentare posten. Vielen Dank für Euer Feedback!

Fotos: WIX