INTERVIEW

KARSTEN BREIDENBROICH

17. Februar 2020

die sonne scheint, der karsten malt...

Wer auch nur gelegentlich in Düsseldorfs Kunstszene unterwegs ist, wird Karsten Breidenbroich schon mal begegnet sein, denn zu übersehen ist der Künstler nicht: in selbstbemalter, bunter Kleidung taucht er auf Veranstaltungen auf, egal ob diese unter dem Radar laufen oder groß angelegt sind. Glück für mich, denn telefonisch oder per Mail ist „Malkarsten“, der nichts von dieser Art der Kommunikation hält, nur schwer erreichbar.

Meine Gelegenheit für ein spontanes Interview bot sich mir auf der Photo Popup Fair und ich ergriff sie sofort, denn zu erzählen hat der Maler einiges. Der Mann, der „die Welt anmalen will“ und plötzlich mit Silvester Stallone Bekanntschaft macht, fand seinen Weg zu Kunst durch einen Schicksalsschlag.

Karsten, eigentlich stelle ich gerne Fragen, die in anderen Interviews nicht gestellt werden. Heute musst du mir ein wenig auf die Sprünge helfen und mit Geschichten rausrücken, die noch nirgendwo zu lesen sind über Dich…

 

Coole Herangehensweise, dann wollen wir mal…

 

 

Okay, vielleicht etwas Leichtes für ein Einstieg: Ich weiß das du Autodidakt bist und auch Musik machst. Wie und wo begann Dein Weg?

 

Es ging schon in der Grundschule los, ich war einfach extrem kreativ engagiert, auch im musikalischen Bereich. Damals begann ich Xylophon zu spielen, in meiner Jugend dann Gitarre. Die Idee Kunst zum Beruf zu machen, kam aber erst später. Nach meinem Studium der Innenarchitektur zog ich von Krefeld nach Düsseldorf und bin dann hiergeblieben. Wenn Du einmal Kuchen gegessen hast, willst nicht wieder Zwieback essen.

Ich arbeitete dann auch 10 Jahre als selbstständiger Innenarchitekt. Irgendwann habe ich mich mit mir selber an den Küchentisch gesetzt und mich gefragt, was willste eigentlich. Die Antwort war klar: Malen. Ich habe dann meinem Compagnon gesagt, dass ich noch ein halbes Jahr dabei bin und dann aussteige.

 

 

Das habe ich in der Niederrhein Edition gelesen. Es ist natürlich ein gewagter Schritt eine erfolgreiche Selbstständigkeit aufzugeben. Gab es einen konkreten Auslöser dafür?

 

Ja, vor rund zehn Jahren erkrankte mein Vater an Krebs. Ich fuhr ihn ins Krankenhaus und fing an zu heulen, dachte er würde sterben. Habe ihm damals gesagt, dass ich ihn liebe und gedacht, warum sagst du ihm das jetzt erst? Man kann und sollte es Menschen die einem wichtig sind auch mal so sagen. Zur gleichen Zeit habe ich von Zombie Boy gehört, der hatte ja auch Krebs, hat gemodelt und nach seiner Diagnose, tätowierte er sich überall.

Ein halbes Jahr später war der Krebs weg, die Tattoos sind geblieben und seine Karriere nahm Fahrt auf. Da dachte ich mir, der scheißt auf alles, das Leben kann so schnell vorbei sein und habe ihn gemalt. In dieser Zeit bin ich auch von der Architektur zur Kunst gewechselt. Heute ist mein Vater gottseidank gesund und kann noch 100 werden. Zombie Boy lebt leider nicht mehr.

So etwas sind natürlich einschneidende Erlebnisse, die Menschen verändern. Der Karrieresprung hat ja auf Anhieb geklappt um es mal bescheiden auszudrücken. Du hast nicht einfach die Kunst zum Beruf gemacht, zu Deinen Kunden zählten plötzlich Silvester Stallone , Mickey Rourke, Cher … Was war da los, wie hast Du das hinbekommen?

 

Ohne Geheimrezept, es ging alles auf einmal ganz schnell. Ich habe in Bars meiner unmittelbaren Nähe ausgestellt. Einige Leute, darunter ein Modedesigner von der Fashion Week haben das gesehen und mich eingeladen. Ich sollte meine Bilder links und rechts vom Laufsteg hängen, als Eyecatcher und backstage konnte ich auch Sakkos anmalen. Wie der Zufall so wollte, sah mich dort die Modedesignerin von Silvester Stallone, Silvia Fritz. Die schickte Sly einige Fotos von meinen Arbeiten und fünf Minuten später hatte ich tatsächlich Silvester Stallone am Telefon. Der war ganz angetan von meiner Arbeit und fragte, ob ich nicht Lust hab nach L.A. zu kommen: „Ich zeige dir die Künstlerszene und Du malst mir ein Sakko, ist das ok?“

Fashion Week Los Angeles

Wie fühlt sich das bitte an, wenn ein Kinoheld anruft und einen einlädt?

 

Surreal. Man versucht auf dem Teppich zu bleiben und sich zu denken, bleib cool, die kochen auch nur mit Wasser, aber wenn man dann dort ist, stammelt man nur rum. Auf der Fashion Week hatte ich dann alle künstlerische Freiheit, konnte machen was ich wollte. Durfte Klamotten vollmalen und Silvester hat mich echt an die Hand genommen und mir 10 Tage die Künstlerszene von L.A. gezeigt. Einige Monate später habe ich dann nochmal eine Arbeit für ihn gemacht, die er dann Cher weitergab und so kam das dann alles. Ich hatte Glück, es hat einfach die Runde gemacht.

Nochmal kurz zu Zombieboy, er ist leider gestorben, habt ihr Euch noch persönlich kennengelernt?

Silvester Stallone & Modedesignerin Silvia Fritz

Leider nein, er hat auf Facebook Bilder von mir geliked und ist kurze Zeit später verstorben.  

 

 

Jetzt machst Du nicht nur Kunst auf Bildern und Mode, hier in Düsseldorf auf der Kiefernstraße gibt es eine Häuserfassade die Du bemalt hast, ein Riesenprojekt. Wie kam es dazu?

 

Die Ecke ist früher von Autonomen besetzt worden und die bunte Gestaltung der Außenwände ist von der Stadt abgesegnet. Es gab damals eine Ausschreibung bei der sich mehrere Künstlergruppen meldeten, ich mich allerdings nicht. Eines Morgens rief der dienstälteste Künstler an und informierte mich relativ beiläufig, dass die Woche das Haus Nr. 12 dran sei. „Kannst Dir Farbe holen und hast 2 Wochen Zeit das Haus zu bemalen. Hast Du sowas schon mal gemacht?“ „Äh, nein… aber vielen Dank. “Er hatte mich einfach angemeldet, die wollten wohl auch Referenzen, aber der meinte zu denen, ich schaffe das schon.

 

Ich fing mit Sprühdosen an, habe dann aber gemerkt, es ist nicht mein Ding und holte mir einen großen Farbeimer. Nach zwei Wochen war das Ganze dann fertig. Das war schon verrückt. Die Leute, die da wohnten, haben mir während dessen Bier gebracht und Kuchen gebacken, damit ich nicht immer vom Gerüst runter muss. Fand ich superklasse.

Zwei Jahre später gab es nochmal die Möglichkeit dieser Aktion. Da die Hausbewohner ein Mitspracherecht bei der Künstlerauswahl haben, entschieden die sich dann für einen anderen Künstler, der noch nie ein Haus bemalt hat. Fand ich eine Klasse Entscheidung, ihm diese Möglichkeit zu geben. So kam das dann, dass ich nur einmal die Chance hatte dort ein Haus zu bemalen, was aber nicht schlimm ist, da ich ja sowieso vorhabe die ganze Welt zu bemalen.

Wenn Du so weiter machst, schaffst Du das auch. Ich habe Dich bei so vielen Veranstaltungen gesehen, oft mit Live Painting…

 

Ich sag mal so: Die Sonne scheint, der Karsten malt und ich bin da, wo ich’s am Schönsten finde.

 

 

Und was findest Du am Schönsten? Was inspiriert Dich am meisten?

 

Das Leben an sich. Wenn Du mit offenen Augen von A nach B läufst, dann passiert soviel, das ist Inspiration genug. Wenn es gut läuft, wenn es schlecht läuft, alles kann einen inspirieren, darum kann ich die Frage nicht konkret beantworten. Aber ich kann Dir sagen, was mich nicht inspiriert: Der blaue Kreis, der mit dem grünen Dreieck korrespondiert, interessiert mich nicht.

 

 

Das bedeutet …?

 

Wenn ich erstmal eine Runde vor einem Bild stehe und mir Texte dazu durchlesen muss, bevor ich’s hab, dann ist das nicht meins.

 

 

Also muss Kunst für Dich selbsterklärend sein?

 

Wenn ich etwas sagen will, dann rede ich, dafür ist die Sprache recht eindeutig. Ich mag, wenn es wenig Raum für Fehlinterpretationen gibt.

 

 

Welche sind die nächsten Projekte die Anfang des Jahres so bei dir anstehen?

Als nächstes steht am 29.2. die Gemeinschaftsausstellung "29" in der Part2Gallery hier in Düsseldorf an, mit Barbara Heider-König, Dieter Nusbaum, Patrizia Casagranda, Joe Brockerhoff und Chris Bolteam (Werbung*). Darüber hinaus suche ich noch ein neues Atelier hier in Düsseldorf, wer mir weiterhelfen kann, bitte melden! (Kontakt: Tel 0152-19175063 oder per Mail: malkarstenkb@gmail.com

 

Gibt es noch etwas, das du der Welt mitteilen möchtest an dieser Stelle?

 

Ja: Augen auf beim Hemdenkauf. Danke für das spontane Interview.

 

Karsten, ich danke dir!

Bildmaterial: Karsten Breidenbroich/ Jürgen Wintermantel- Menze

Hollywoodstar Ralf Möller & Karsten Breidenbroich

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